Nach der Arbeit schnell noch im Supermarkt einzukaufen kann hektisch werden. Lieferdienste werben damit, Lebensmittel zügig und bequem bis an die Tür zu liefern. Doch sind die Dienste wirklich praktischer und zeitsparender als der Weg zum Supermarkt?
Flink, Flaschenpost und Rewe
Für unseren Test in München haben wir zwei Lebensmittellieferdienste und eine Supermarktkette ausgewählt, die deutschlandweit anbieten. Der erste Testkandidat ist Flink, ein 2020 in Berlin gegründetes Unternehmen. Der Dienst betreibt lokale Lagerhäuser, sogenannte „Dark Stores“ in Städten für schnelle Lieferungen. Flink gibt an, in 43 deutschen Städten zu liefern.
Flaschenpost, unser zweiter Testkandidat, wurde 2016 in Münster gegründet und ist seit 2020 Teil der Oetker-Gruppe. Der Lieferdienst arbeitet ebenfalls mit lokalen Lagerstandorten und ist laut eigenen Angaben in über 200 deutschen Städten und Gemeinden aktiv.
Rewe ist der dritte Vergleichskandidat in unserem Test. Der Lebensmitteleinzelhändler wurde 1927 durch den Zusammenschluss von 17 Einkaufsgenossenschaften gegründet und hat seinen Sitz in Köln. Bundesweit betreibt Rewe mehr als 3.700 Filialen.
Einmaliger Einkauf bei allen Testkandidaten
Um die drei Kandidaten zu vergleichen, kaufen wir am Abend bei allen drei Anbietern dieselben Artikel. Für das Abendessen wollen wir eine Tiefkühlpizza und eine Packung Toastbrot. Zum Frühstück planen wir Cerealien mit Haferdrink und Bananen. Als Snacks legen wir Fruchtgummi und Paprikachips in unseren Einkaufswagen. Getestet haben wir mit folgenden Kriterien:
- Produktvielfalt: Haben alle Testkandidaten die benötigten Artikel und unterscheiden sie sich jeweils vom Sortiment?
- Preise: Wie hoch sind die einzelnen Preisunterschiede zwischen den Testkandidaten?
- Lieferzeit und Einkaufszeit: Wie lange dauert die Lieferung der beiden Dienste und der Einkauf im Supermarkt?
Produktvielfalt: breites Angebot bei Flaschenpost
Beide Lieferanbieter haben ein ähnliches Sortiment und können mit einem gewöhnlichen Supermarkt für den alltäglichen Gebrauch wie Rewe mithalten. Mit unseren für den Test geplanten Artikeln wurden wir bei jedem der drei Kandidaten fündig. Von frischen Lebensmitteln, Tiefkühlprodukten, Backwaren, Snacks und Süßigkeiten bis hin zu Drogerieartikeln und Haustierfutter ist bei den Anbietern alles vorhanden.
Flink konzentriert sich auf ein Sortiment mit den wichtigsten Produkten des täglichen Bedarfs. Der Anbieter bietet jedoch auch Eigenmarken an. Das Angebot umfasst zudem Fertiggerichte und Snacks.
Flaschenpost bietet außerdem eine breitere Produktpalette mit Bio- und regionalen Lebensmittel sowie frische Backwaren von lokalen Bäckereien. Der Dienst überzeugt vor allem durch ein umfangreicheres Getränkesortiment. Von zwölf Kategorien des Anbieters sind fünf ausschließlich für Getränke.
Preise: Flaschenpost und Rewe ähnlich, Flink teurer
Die Artikel-Preise sind bei beiden Diensten ähnlich und entsprechen etwa dem Niveau eines gehobenen Supermarkts. Discounter bleiben mit den Eigenmarken jedoch günstiger. Für die gleichen Artikel zahlten wir bei Flaschenpost 16,63 Euro, was etwas preiswerter als Flink mit 17,74 Euro war.
Die Cerealien (+60 Cent), die Tiefkühlpizza (+30 Cent), der Haferdrink (+10 Cent) und das Toastbrot (+20 Cent) waren bei Flink teurer als bei der Konkurrenz. Nur das Fruchtgummi (+10 Cent) war bei Flaschenpost kostspieliger als bei Rewe und Flink. Im Supermarkt zahlten wir mit 16,54 Euro für dieselben Artikel den günstigsten Preis.
Mindestbestellwerte bei beiden Lieferdiensten
Als wir den Bestellvorgang abschließen wollten, erlebten wir die erste Ernüchterung: Sowohl Flink als auch Flaschenpost haben einen Mindestbestellwert. Bei Flink beträgt dieser 15 Euro und es wird eine Liefergebühr von 3,99 Euro fällig. Das macht in unserem Fall fast 25 Prozent des Einkaufswertes aus. Ab 59 Euro ist die Lieferung von Flink kostenlos.
Bei Flaschenpost beträgt der Mindestbestellwert 29 Euro, wobei ein anteiliger Mindestwert von 15 Euro für Supermarktartikel gilt. Die Liefergebühr beträgt 3,90 Euro und entfällt ab einem Bestellwert von 69 Euro. Da wir mit unserem Warenkorb den Mindestbestellwert bei Flaschenpost nicht erreicht haben, endete hier unser Einkaufstest bei diesem Anbieter.

Lieferzeit und Einkaufszeit: Bestelldienst überzeugt
Flink machte bei der Lieferzeit seinem Namen alle Ehre: Die Artikel wurden in weniger als 25 Minuten geliefert. Im Vergleich dazu war die nächste Rewe-Filiale zwar nur sieben Minuten entfernt. Für den Einkauf inklusive der Suche nach den einzelnen Artikeln und dem Anstellen an der Kasse haben wir aber etwa 15 Minuten benötigt. Insgesamt hat der gesamte Einkauf also knapp 30 Minuten gedauert – fünf Minuten länger als die Lieferung von Flink.
Lieferdienste lohnen sich nicht immer
Unser Fazit: Lieferdienste sind aufgrund der Mindestbestellwerte für kleine Einkäufe ungeeignet. In unserem Test haben wir die Bestellung bei Flaschenpost aus diesem Grund abgebrochen. Erreicht man jedoch den Mindestbestellwert, kann es sich lohnen, die Artikel schnell und bequem nach Hause liefern zu lassen. Auch beim Sortiment können beide Lieferdienste mit dem von Rewe mithalten. Wer auf den Cent achtet, für den ist allerdings der Gang zum Supermarkt die bessere Option.
Redigiert von: Tobias Klass
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Quellen:
Eigene Screenshots
https://www.flaschenpost.de/unternehmen/verantwortung/produkte-sortiment
https://image.flaschenpost.de/pressArticles/docs/Die%20flaschenpost%20startet%20in%20Berlin.pdf
https://www.goflink.com/de-DE/
https://image.flaschenpost.de/cms/newsroom/mediathek/2024_05_FactSheet-flaschenpost-SE.pdf
https://www.rewe-group.com/de/rewe-group-auf-einen-blick/
https://www.rewe-group.com/de/unternehmen/struktur-und-vertriebslinien/rewe/