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Täglich verbringen Social Media Nutzer in Deutschland durchschnittlich 2,5 Stunden in sozialen Netzwerken, meldet das Datenportal Statista. Jeder kann sich kostenlos bei den Plattformen registrieren, ein Profil anlegen und darüber Beiträge, Fotos und Videos veröffentlichen, teilen und sie kommentieren. Allerdings können die User auch anonyme Accounts anlegen. Dadurch können die Beiträge keiner realen Person zugeordnet werden. Gerade diese Anonymität schürte in den Anfängen des World Wide Webs Hoffnung auf ein demokratisches und freies Internet. Heute ist sie aber für viele Nutzer sozialer Medien ein Problem. So passiert es nicht selten, dass User über anonyme Profile Fake News posten und Kanäle mit großer Reichweite nutzen, um gezielt falsche Informationen zu verbreiten.

Zum Beispiel: Desinformationen bei der Präsidentschaftswahl

Nicht immer verstecken sich Autoren von Fake News hinter einem anonymen Profil. Der wohl bekannteste Account, auf dem der User häufig Falschmeldungen postet, ist der von Donald Trump. Am 3. November 2020 fand in den USA die Präsidentschaftswahl statt, Donald Trump gegen Joe Biden.

Am frühen Morgen nach der Wahlnacht postete Trump auf Facebook und Twitter (Stand: 30.11.2020): „We are up BIG, but they are trying to STEAL the Election. We will never let them do it. Votes cannot be cast after the Polls are closed!“

Allein auf Twitter hat der amtierende Präsident über 80 Millionen Follower und seine Beiträge werden durchschnittlich 45.000 Mal geteilt. Trumps Meldungen zur Präsidentschaftswahl teilten Twitter-Nutzer sogar bis zu einer halben Million Mal. Wichtig ist, zum Zeitpunkt des Posts waren noch nicht alle Stimmen ausgezählt, es fehlten vor allem noch die Briefwahlstimmen. Der Tweet war also klar Fake News, die Donald Trump verbreitete mit dem Ziel, die Wahl vorzeitig zu stoppen.

Was sind Fake News?

Fake News sind gezielt verbreitete Falschinformationen. Die Verfasser bereiten ihre Inhalte so auf, dass sie professionelle, verlässliche Nachrichten nachahmen und scheinbar Seriosität ausstrahlen. Autoren verbreiten Desinformationen nicht nur über klassische Artikel, sondern auch durch Videos und Bilder. Unabhängig von der Form verfolgen die Verfasser mit ihren Falschmeldungen ein konkretes Ziel: Sie wollen die öffentliche Meinung zu bestimmten Themen beeinflussen.

Falschnachrichten – Verbreitung ist in sozialen Medien kaum aufzuhalten

Aufgrund von Falschmeldungen ist es für Leser schwierig zu erkennen, welche Informationen glaubwürdig sind und welche nicht. Entscheiden sich Nutzer, die Nachrichten zu glauben und verbreiten sie weiter, entsteht das eigentliche Problem der Fake News: Sie gelangen in Umlauf. Soziale Medien bieten hierfür die passende Plattform. So ergab eine deutschlandweite Umfrage von YouGov in Zusammenarbeit mit Statista, dass zwei Drittel der Befragten glauben, Fake News in sozialen Netzwerken würden gezielt verbreitet. Laut dem European Journalism Observatory, räumt Facebook in einem Whitepaper aus dem Jahr 2017 ein, dass die Plattform bei der Verbreitung von Falschnachrichten eine große Rolle spielt.

Was können Social Media Plattformen tun?

Viele Plattformen arbeiten schon jetzt aktiv gegen die Verbreitung falscher Meldungen. Sie kooperieren mit verschiedenen sogenannten Fakten-Check-Organisationen, die fragwürdige Beiträge überprüfen. Facebook und Twitter bekämpfen bereits die Verbreitung von Falschinformationen, indem sie umstrittene Meldungen mit einem Hinweis versehen. So schreibt Twitter beispielsweise zu Beiträgen während der Präsidentschaftswahl: „Einige oder alle der Inhalte, die in diesem Tweet geteilt werden, sind umstritten und möglicherweise irreführend auf die Beteiligung an der Wahl oder einem anderen staatsbürgerlichen Prozess.“ Im konkreten Fall der Fake News von Donald Trump, weist Facebook darauf hin, dass die Stimmen noch nicht vollständig ausgezählt und ein Gewinner noch nicht prognostiziert worden sei (Stand: 06.11.2020).

Konsumenten müssen kritisch hinterfragen

Häufig überfliegen Nutzer Meldungen und klicken unachtsam auf „Share“ oder „Retweeten“ und schon teilen sie Fake News mit Freunden und Abonnenten. Darum liegt es auch in der Verantwortung der Leser, Desinformationen zu erkennen und nicht weiter zu verbreiten. Aber wie gelingt das? Wichtig ist, dass die Adressaten Neuigkeiten aufmerksam lesen und den jeweiligen Inhalt kritisch hinterfragen. Zweifeln Leser am Wahrheitsgehalt eines Beitrags sollten sie die im Text aufgeführten Tatsachen herausfiltern und anschließend überprüfen. Am einfachsten entdecken Nutzer eine Falschnachricht, indem sie die Quellen und den Verfasser überprüfen. Um eine Verbreitung zu unterbrechen, sollten sie die verdächtige Falschmeldung der jeweiligen Plattform melden. Es gibt bereits ein Spiel in dem Leser herausfinden können, wie gut sie Falschnachrichten entdecken können.

Die beste Waffe gegen Fake News: aufmerksame Nutzer

Soziale Netzwerke sind schnelllebige Formate. Sie bieten schnelle Informationen und versprechen direkten Zugriff auf Quellen. Fake News ganz zu unterbinden ist unmöglich. Social-Media-Kanäle arbeiten jedoch aktiv daran, die Anzahl der Falschinformationen zu minimieren. Am wichtigsten ist allerdings, dass die User die Beiträge nur teilen, wenn sie sich sicher sind, dass die Informationen wahr sind. Das setzt voraus, dass die Leser die Meldungen stets aufmerksam lesen und den Wahrheitsgehalt hinterfragen. Gemeinsam können sie die Anzahl und Verbreitung der Falschinformationen minimieren.

 

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