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Seit einiger Zeit steigt die Frauenquote in der Technik-Branche. Dennoch dominieren Männer noch immer in technischen Berufen. Warum ist das so? Was müssen wir tun, um Frauen in der Technik zu etablieren? Und ist diese Gleichberechtigung der Geschlechter überhaupt wichtig?

Weibliche Technikvorbilder: Vergessene Genies

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte die Technologiebranche einen Wendepunkt. Zahlreiche bedeutsame Erfindungen prägten diese Zeit. Aufgrund des Arbeitskräftemangels während des Zweiten Weltkrieges und des Wandels von Rollenbildern traten Frauen mutig und entschlossen in die Technologiebranche ein. Viele dieser Frauen erzielten bahnbrechende Leistungen und trugen wesentlich zu bedeutenden Erkenntnissen bei. Genies wie Grace Hopper oder auch Hedy Lamarr sollten weltweit bekannt sein – und doch sind sie es nicht. Grace Hopper war eine Pionierin der Informatik, führte neue Computer-Technologien ein und beteiligte sich an der Entwicklung der Computersprache „COBOL“ (Common Business Oriented Language). Diese Programmiersprache wurde Ende der 1950er-Jahre für die Verarbeitung großer Daten entwickelt. Sie ist teilweise noch bis heute in Verwendung. Hedy Lamarr, Filmschauspielerin und Erfinderin, legte den Grundstein für die drahtlose Kommunikation. Ihre Erfindung ist die Basis für moderne Technologien wie WLAN und Bluetooth. Die verdiente Anerkennung erhielt sie nie. Dabei sollte nicht in Vergessenheit geraten: Ohne diese Frauen und ihre Arbeit sähe unsere Welt heute vermutlich ganz anders aus.

Stereotypen und Diskriminierung

Viele Faktoren beeinflussen den Frauenanteil in technischen Berufen. Obwohl Frauen gleichermaßen für technische Berufe qualifiziert sind, besteht dort immer noch keine Geschlechtergleichheit. Laut einer aktuellen Studie von McKinsey sind nur 22 % aller europäischen Technologiejobs von Frauen besetzt. Dieser niedrige Frauenanteil hat viele Gründe. Bekannte Ursachen wie Geschlechterstereotypen, Diskriminierung, begrenzter Zugang zu Bildung oder Gehaltsunterschiede sind nur einige davon. Und obwohl Homeoffice die Vereinbarkeit von Beruf und Familie theoretisch erleichtern kann, liegt die unbezahlte Care-Arbeit in der Praxis oft weiterhin überwiegend bei den Frauen. Trotz gesellschaftlicher Fortschritte werden Frauen also immer noch deutlich benachteiligt. Laut der McKinsey-Studie werden zudem die MINT-Fähigkeiten (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) der Geschlechter oft falsch eingeschätzt. Durch Stereotype und falsche gesellschaftliche Wahrnehmungen sind Mädchen und Frauen einem zusätzlichen Erwartungsdruck ausgesetzt. Sie erfahren oftmals weniger Unterstützung durch Lehrende oder Eltern.

Bedeutsame Vielfalt

Frauen bilden mit 50,7 % einen wesentlichen Teil der Gesellschaft und dominieren geschlechtermäßig in vielen Berufsfeldern. In den technischen Berufen sind sie dennoch unterrepräsentiert. Insbesondere der Fachkräftemangel zeigt deutlich, dass es wichtig ist, die offenen Stellen mit qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu besetzen – unabhängig vom Geschlecht. Entscheidend für den Erfolg sollten nicht das Geschlecht, sondern die Fähigkeiten eines Menschen sein. Verschiedene Perspektiven, Qualifikation und Persönlichkeit können einen positiven Einfluss auf die Entwicklungen in der Technikbranche haben. Insbesondere Unternehmen mit diversen Zielgruppen profitieren davon.

Frauen als Bereicherung der Technikbranche

Die Anzahl erfolgreicher Frauen in der Tech-Branche wächst stetig. Sie sind Inspiration für eine gleichberechtigte Gesellschaft und ermutigen anderen. Die Förderung von Geschlechtervielfalt bringt frischen Wind in die männerdominierte Branche. Geschlechterstereotypen werden durchbrochen und die Wirtschaft wird positiv beeinflusst. Unternehmen, die diese Vielfalt fördern, profitieren meiner Meinung nach auf lange Sicht von einer breiten Palette an kreativen Ideen, Herangehensweisen und Perspektiven. Wir müssen das Potenzial von Frauen in der Tech-Welt anerkennen und unterstützen. Indem wir veraltete Denkmuster durchbrechen und eine Gleichberechtigung alle Geschlechter fördern, schaffen wir eine zukunftsorientierte Arbeitswelt für die Gesellschaft.

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Quellen:

https://www.mckinsey.com/de/news/presse/europa-mit-grosser-talentluecke-bei-frauen-in-tech-jobs-technologieberufe-mint

https://www.swr.de/wissen/grace-hopper-und-ihr-einfluss-auf-die-it-branche-100.html

https://www.moment.at/story/wer-ist-hedy-lamarr

https://www.swr.de/swr2/wissen/hedy-lamarr-erfinderin-und-femme-fatale-102.html