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Bis ein Artikel in einer Zeitung oder auf einer Online-Plattform erscheint, sind viele Akteure beteiligt. Doch die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern, Journalisten und Kommunikationsexperten gerät selten in den Fokus. Helena Gennutt führte im Rahmen ihrer Bachelorarbeit eine Befragung zum Wandel innerhalb der Wissenschaftskommunikation durch. Dafür befragte sie rund 270 Wissenschaftler, Journalisten und Wissenschaftskommunikatoren. Da sich Erwartungen und Vorstellungen der einzelnen Gruppen unterscheiden, ist gegenseitiger Austausch der Schlüssel für erfolgreiche Kommunikation.

Selbst die direkt Beteiligten sind sich nicht einig: Journalisten und Mitarbeiter in Kommunikationsabteilungen verstehen unter Wissenschaftskommunikation, komplexe Inhalte für Fachfremde verständlich zu machen. Wissenschaftlern geht es darum, die eigene Forschung nach außen aber auch innerhalb der Wissenschaftscommunity zu kommunizieren. Auch die gegenseitigen Erwartungshaltungen der Beteiligten unterscheiden sich: Wissenschaftler wünschen sich vor allem, bei der Kommunikation nach außen unterstützt zu werden. Gemeinsam mit den Profis in den Pressestellen erwarten sie von Journalisten eine anspruchsvolle und nicht sensationslüsterne Arbeitsweise und ein grundlegendes Interesse an den Themen der Wissenschaftler – sie investieren schließlich Zeit in ein Gespräch. Im Gegenzug erwarten Journalisten von Pressestellen, dass diese die Forschungsthemen der eigenen Institution und die journalistische Arbeitsweise kennen. Einig sind sich Journalisten und Kommunikatoren darin, dass Wissenschaftler auch für eine populärwissenschaftliche Aufbereitung von Wissenschaft offen sein sollten. Ergänzend fordern Kommunikationsabteilungen Wissenschaftler auf, Kommunikation als wichtigen Bestandteil der eigenen Arbeit zu sehen.

Statistik zur Definition von Wissenschaftskommunikation

Die Definitionen von Wissenschaftskommunikation unterscheiden sich stark. Zu beachten: Die Auswertung der Ergebnisse erfolgte anhand der Personenzahl und nicht in Prozent. (Bild: Helena Gennutt)

Veränderter Arbeitsalltag – oder auch nicht

Tatsächlich nimmt die Mehrheit der befragten Wissenschaftler keine Veränderung durch den Wandel der Wissenschaftskommunikation im Arbeitsalltag wahr. Womöglich, weil Wissenschaftler zu wenig kommunizieren, um überhaupt eine Veränderung festzustellen. Aus den Augen von Journalisten und Kommunikatoren hat sich dagegen die Themenauswahl verändert: Die ständige Informationsflut, finanzielle Interessen und die Zuspitzung von Artikeln bis hin zu Fake News prägen laut den Befragten die aktuelle Berichterstattung. Zusätzlich betonen die Kommunikatoren, dass sich die Art und Weise wie Themen aufgegriffen werden verändert.

Persönliche Kontakte sind entscheidend

Doch welche Plattformen nutzen die Akteure, um sich auszutauschen, ihre Ergebnisse zu präsentieren und nicht zuletzt zu recherchieren? Wissenschaftler tun dies vor allem auf Konferenzen und Kongressen, die sie neben Fachpublikationen einstimmig als wichtigsten Kanal bezeichnen. Diese sind auch bei Journalisten gefragt, um sich Informationen zu beschaffen. Der direkte Kontakt zu Experten steht für sie an vorderster Stelle – auch in Zeiten der Digitalisierung. Die Kommunikationsabteilungen setzen auf die eigene Website. Unter den sozialen Medien steht Facebook sowohl für Pressestellen als auch Journalisten an erster Stelle, dicht gefolgt vom Kurznachrichtendienst Twitter und der Videoplattform Youtube. Den befragten Wissenschaftlern erscheinen soziale Medien dagegen vernachlässigbar. Wenn überhaupt nutzen sie berufliche Netzwerke. Weitere Plattformen wie das Science Media Center sind ihnen weitgehend unbekannt.

Zeit als limitierender Faktor

Etwa der Hälfte der befragten Forscher fällt es schwer, die eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse nach außen zu kommunizieren. Dennoch möchten sie in der Öffentlichkeit als kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen werden. Dass dies nicht immer gelingt, liegt neben fehlender Medienerfahrung auch an der mangelnden Zeit im Arbeitsalltag. Ein Wissenschaftler äußerte explizit: „Es kostet viel Zeit und ich möchte mir nur gelegentlich diese Zeit nehmen.“ Hinzu kommt, dass ein großer Anteil der Wissenschaftler Kommunikation nicht zu seinen Kernaufgaben zählt.

Wissenschaftler haben laut Angabe häufig keine Zeit für Wissenschaftskommunikation.

An vorderster Stelle bei Befragung der Wissenschaftler: Die im Arbeitsalltag oft knappe Zeit. (Bild: Helena Gennutt)

Gemeinsam nach vorne blicken

Daher macht es Sinn, als Kommunikationsabteilung unterstützende Maßnahmen anzubieten. Es ist hilfreich, Raum zum Austausch sowohl zwischen Wissenschaftlern, Journalisten und Kommunikatoren als auch untereinander zu schaffen. Denn tendenziell stehen alle Befragten dem Wandel der Wissenschaftskommunikation positiv gegenüber und blicken zuversichtlich in die Zukunft. Ein Pressesprecher umschrieb Wandel als „ständige Notwendigkeit“, aber auch als „Chance, wenn man diesen nur richtig anpackt“. Gegenseitiges Verständnis, Offenheit und insbesondere ein stetiger Dialog helfen, den Wandel der Wissenschaftskommunikation gemeinsam zu bestreiten.