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Der Preis des VDI Bezirksvereins München, Ober- und Niederbayern e.V. gilt als einer der wichtigsten Förderpreise im Ingenieurwesen in Südbayern und Österreich. Ausgezeichnet werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten junger Ingenieurinnen und Ingenieure. Kooperationspartner und Ausrichter der diesjährigen Veranstaltung am 15.11.2019 ist das Münchner Familienunternehmen Maurer SE. Wir treffen Christian Braun, den geschäftsführenden Direktor von Maurer, auf der Preisverleihung in der Rooftop-Bar „Hoch 5“ im Werksviertel über den Dächern Münchens an. Mit Blick auf das von Maurer konstruierte Riesenrad, spricht er mit uns über die langjährige Partnerschaft mit dem VDI und die Herausforderungen einer Branche, die Projekte im Rampenlicht erst möglich macht, selbst aber oft unsichtbar bleibt.

Guten Abend Herr Braun. Der Abend soll mit einer Fahrt in dem von Maurer konstruierten Riesenrad „Hi-Sky“ enden. Sind Sie persönlich Riesenrad-Fan?

Braun: „Ja, aber nicht, weil ich gerne damit fahre, sondern weil es für mich die Verwirklichung der Leistungen von Maurer ist.“

Die diesjährige Verleihung steht unter dem Motto „Kräfte in Bewegung“. Warum dieses Motto?

Braun: „Der Slogan versteht sich als Botschaft an unsere Mitarbeiter, denn sie sind die bewegende Kraft im Unternehmen. „Kräfte in Bewegung“ beschreibt aber auch, was wir unseren Kunden bieten. Alle unsere Produkte haben mit Bewegungen und Kräften zu tun. Sei es, Bewegungen und Kräften mit unseren Konstruktionen zu trotzen, oder vor ihnen zu schützen, wie vor Erdbeben durch unsere Bauwerkschutzsysteme.“

Wie kam es dazu, dass Maurer die heutige Preisverleihung ausrichtet?

Braun: „Das kommt zum einen durch unsere langjährige Beziehung – Maurer und der VDI haben eine beinahe gleich lange Geschichte. Letztes Jahr erhielten wir anlässlich der 60-jährigen Fördermitgliedschaft sogar eine Urkunde. Zum anderen fördern und halten wir auf diese Weise das deutsche Ingenieurwesen hoch. Die Ingenieurleistung ist mit Maurer untrennbar verbunden.“

Mit dem Ziel, Ingenieurnachwuchs in die eigenen Reihen zu holen?

Braun: „In erster Linie wollen wir die Menschen für das, was wir tun, begeistern und auf unsere Arbeit aufmerksam machen. Unsere Arbeit ist nicht immer sofort sichtbar. Unsichtbar in Gebäuden auf der ganzen Welt verbaut, trägt sie aber beträchtlich zur Sicherheit bei. Die Arbeit von Maurer steht dadurch nicht immer im Rampenlicht. Zeigen wir den Leuten jedoch, in welchen Bauwerken Konstruktionen von Maurer stecken, sind sie überrascht und begeistert. Ich selbst hatte damals auch Schwierigkeiten, mich für diese unscheinbare Nische zu entscheiden, bereue meine Entscheidung aber an keinem Tag. Es ist uns wichtiger, die Leute von uns zu begeistern als anzuwerben. Wir tun uns heute leichter damit, Ingenieure als Fachkräfte zu akquirieren. Das ist typisch für München.“

Worauf achtet Maurer bei der Einstellung von Absolventen?

Braun: „Wir sind ein Münchner Traditionsbetrieb und München ist ein „hartes Pflaster“. Es gab eine Zeit, da habe ich primär darauf geachtet, ob die Bewerber München kennen. Außerdem setzen wir keine Produktkenntnisse voraus, eben weil wir uns in einer Nische befinden. Viel wichtiger ist es, Spaß am selbstständigen Arbeiten zu haben. Deshalb sind wir auch offen gegenüber Bewerbern, die sich mit Bauwerkschutzsystemen nicht so gut auskennen, egal ob Maschinenbauer oder Bauingenieure.“

Warum ist München ein „hartes Pflaster“?

Braun: „Das Ingenieurwesen ist leider nicht dafür bekannt, besonders hohe Gehaltszahlungen zu bieten. Daher ist es für Berufseinsteiger in München schwerer als in anderen Gegenden Deutschlands.“

Herr Braun, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Spaß auf der Veranstaltung.

Christian Braun mit David Rusic auf der VDI-Preisverleihung
Christian Braun (links) und David Rusic auf der VDI-Preisverleihung (Foto: VDI/Mirja Kofler, Bearbeitung: Katharina Goller)

Mehr über den VDI und den VDI-Förderpreis 2019:

Der technisch-wissenschaftliche Verein VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V. setzt sich aus 45 Bezirksvereinen zusammen. „VDI Süd“ steht für den „eingetragenen VDI Verein Deutscher Ingenieure; Bezirksverein München, Ober- und Niederbayern“. Zur VDI Gruppe gehören darüber hinaus die VDI GmbH. VDI Fachmedien GmbH & Co. KG, die VDI Wissensforum GmbH, die VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH, die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, der VDI-Ingenieurhilfe e.V. sowie die VDI Versicherungsdienst GmbH.

Mitgliederzahlen:

  • 140 000 (VDI bundesweit)
  • 11 000 (VDI Süd)

Einmal im Jahr verleiht der Bezirksverein VDI Süd den VDI-Förderpreis in den Kategorien beste Bachelorthesis, Masterthesis und Dissertation, wobei sich seit zwei Jahren auch Start-Ups für den VDI Preis bewerben können. Die Preisträger, die von einer Jury ernannt werden, erhalten eine Urkunde, eine begrenzte Gratismitgliedschaft und einen Sachpreis. Die Preisträger 2019 waren:

  • Kieran Oswald, Bachelor: „Charakterisierung von ionischen Verlustmechanismen in der Membran und in den Elektroden von Vanadium-Redox-Flussbatterien“
  • Sabrina Wagner, Bachelor: „Etablierung einer Co-Kultur aus Osteoblasten und Osteoklasten als Testmodell für lösliche Faktoren von Biofilmen“
  • Fandi Bi, Master: „Untersuchung Technischer Schuld im Produktionszyklus mechatronischer Produkte und Produktionssysteme“
  • Felix Naser, Master: „Detection of Dynamic Obstacles out of the Line of Sight for Autonomous Vehicles to increase Safety based on Shadows“
  • Jan-Christoph Edelmann, Dissertation: „Entwicklung einer Ohr-zu-Ohr Kommunikationsplattform für Hörimplantate“
  • Martin R. Pfaller, Dissertation: „Prädiktive numerische Modellierung der patientenspezifischen Herzmechanik“