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Stefan Kopfinger, Leiter der Arbeitsgruppe Agrarrobotik der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, spricht mit den Techtalkers über nachhaltige Landwirtschaftstechnologien und den Stand der Agrarrobotik.

Mohamed Arshe: Was genau ist Agrarrobotik?

Stefan Kopfinger: Agrarrobotik ist ein vielschichtiger Begriff. Wir, bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, verstehen darunter hauptsächlich Feldroboter.

Welche konkreten Anwendungsbeispiele gibt es für Agrarroboter in der Landwirtschaft?

Die mechanische Unkrautregulierung gilt in der Feldrobotik als beliebteste Einstiegsnische. Insbesondere im ökologischen Anbau erfordert dies viel Handarbeit. Deswegen ist es wirtschaftlich interessant, diese Art von Arbeit durch Automatisierung zu ersetzen.

Was kann ein Agrarroboter?

Ein Agrarroboter kann eigenständig Felder durchqueren, Unkraut erkennen und selektiv bekämpfen. Momentan wird das noch von Menschen gemacht, die über das Feld laufen und Unkraut mit der Hand jäten. Diese Arbeitsweise ist nicht nur zeitaufwändig, sondern auch kostenintensiv. Deshalb ist es für Landwirte sehr interessant, in so einen Roboter zu investieren.

Wie wirken sich die Agrarroboter auf die Umwelt aus?

Das ist eine gute Frage. Es ist vorteilhaft, die Unkrautregulierung weniger umweltbelastend zu gestalten; und indem ich Feldroboter einsetze, kann ich auf Herbizide und Spritzmittel verzichten. Zudem ist es momentan politisch sehr stark gewollt, dass wir chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel einsparen.

Um wie viel Prozent sollen die Pflanzenschutzmittel eingespart werden?

Bis 2030 besteht die EU-Vorgabe, den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel um 50 Prozent zu reduzieren.

Wie wirken sich die Agrarroboter auf den Ertrag aus?

Durch dreijährige Feldversuche mit einen Agrarroboter konnten wir feststellen, dass wir ertragstechnisch dort stehen können, wo wir derzeit einen Traktor mit zusätzlicher Handarbeit einsetzen. Indem wir einen Agrarroboter einsetzen, sparen wir uns aber im Durchschnitt 100 Handarbeitsstunden pro Hektar. Dies birgt ein Rieseneinsparungspotenzial. Das funktioniert allerdings auch nur da, wo die Rahmenbedingungen passen.

Was sind die Rahmenbedingungen?

Die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Agrarrobotern umfassen sowohl technische als auch wirtschaftliche Aspekte. Technisch gesehen ist eine gute Netzabdeckung für Mobilfunk erforderlich, damit die Roboter GPS-Daten nutzen können. Jedoch hängt die flächendeckende Nutzung der Roboter von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Größe und Verteilung der Felder, die Geländeform, die Kompatibilität mit den angebauten Pflanzen und die Verfügbarkeit geeigneter Technologie. Zudem müssen wirtschaftliche Überlegungen angestellt werden, ob sich die Anschaffung der teuren Technik für den Landwirt rentiert.

Können Sie uns die technischen Voraussetzungen erklären?

Ja, natürlich. Die technischen Voraussetzungen für den Einsatz von Agrarrobotern umfassen mehrere wichtige Komponenten. Zunächst benötigt der Roboter ein präzises Navigationssystem wie RTK (Real Time Kinematic)-GNSS (Global Navigation Satellite Systems), dass eine Genauigkeit von ein bis zwei Zentimetern bietet. Ein Spurplanungstool ermöglicht die automatische Generierung optimaler Fahrspuren auf dem Feld, um effizientes und präzises Navigieren zu gewährleisten. Die Umfeldsensorik wird verwendet, um Hindernisse zu erkennen und eine sichere Navigation zu ermöglichen. Ein Überwachungstool liefert Daten über den Roboter, wie seine Position, Geschwindigkeit, Energieverbrauch und die Signalqualität des Navigationssystems.

 Wie sehen Sie die Zukunft der Agrarrobotik?

Grundsätzlich spricht sehr viel für die Automatisierung in diesem Bereich. Auch das Thema Mustererkennung ist sehr spannend. Dank Mustererkennung können Agrarroboter mit Hilfe von Kameras Pflanzen von Unkraut unterscheiden und gezielt nur das Unkraut entfernen, ohne die Nutzpflanzen zu schädigen. Mich hat es überrascht, wie schnell das alles ging.

Vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview.

Redigiert von Kamran Kader

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Quelle: Eigenaufnahme Interview.